Das Zeitalter der Postmoderne, und mittlerweile Post-Postmoderne, ist geprägt von der Digitalisierung. Insbesondere in diesem Covid-19-Jahr 2020 hat die Digitalisierung einen dicken Schub bekommen, zwangsläufig. Und wir haben in dem Zuge einen ganz deutlichen Tritt in den Hintern bekommen, dass die Digitalisierung bei uns ziemlich vernachlässigt wurde, in der Infrastruktur und auch in der persönlichen Anwendung.
Und gerade weil es diesen Schub in dieser Zeit gibt hat sich auch schon eine „Gegenbewegung“ entwickelt. Wie so oft.
Wenn man alles was das Herz begehrt immer und überall billig bekommen kann, steigt auf einmal die Sehnsucht, etwas selbst zu machen und was Eigenes zu schaffen.
Ein paar Beispiele? Bitteschön!
- Billige Klamotten – Individuelle Kleidung selber nähen
- Billige Möbel – DIY- und Upcycling-Ideen, um Möbel zu verschönern
- Billige Papierwaren – Handlettering-Trend überall
Die Liste ließe sich wahrscheinlich noch endlos weiter führen, ich halte mich an diesem Punkt mal zurück.
Was diese „Gegenbewegungen“ alle gemeinsam haben ist, dass es nicht darum geht etwas schnell und billig zu machen. Schnell und billig sind alle Angebote im Internet und Diskounter. Es geht um den Prozess, die Gedanken, die darin stecken. Es geht um die Individualisierung von Dingen und den Stolz etwas Eigenes geschaffen zu haben. Und natürlich um die Kreativität und das handwerkliche Machen.
Selber machen entschleunigt
Ich stelle dabei immer wieder fest, dass es auch um eine Entschleunigung geht. Es muss und soll eigentlich auch gar nicht schnell gehen. Meistens baut man dann nämlich Fehler im Schaffensprozess ein oder es geht etwas schief. Und gerade wenn man etwas für jemand Anderen macht, zum Geburtstag oder auch als kleine Aufmerksamkeit oder Gefallen zwischendurch, verbindet sich das geschaffene Werk mit der Person. Man investiert viele Gedanken, was der entsprechenden Person gefallen könnte, oder was sie mal wieder hören/lesen sollte.
Das ist der große Reiz am kompletten DIY-Trend. Etwas Eigenes, Einzigartiges, Persönliches und Wertiges zu schaffen. Denn mal ehrlich: wenn ich etwas geschenkt bekomme, wo mein Gegenüber sich richtig Gedanken und Mühe gemacht hat, hat es einen ganz anderen Wert als ein „selbstgekauftes“ Standard-Geschenk! Da hat jemand Gedanken, Arbeit und vor allen Dingen ZEIT für mich investiert. Und das ist heutzutage ja wahrscheinlich für uns alle eines der höchsten Güter!

Persönliches hat einen höheren Wert
Das Tolle an den besonderen Geschenken ist, dass sie oft auch noch einen tollen Platz in unseren Räumen finden. Damit erfreuen wir uns auch noch viel länger an solchen Dingen. Eine persönlich gestaltete Karte darf viel eher auf einem Regal ein Plätzchen bekommen als eine Standardkarte. Und die nette, persönliche Botschaft, die die beste Freundin mir zum Einzug geschrieben hat, darf mir noch viel länger vor Augen bleiben und gerne Spuren im Herzen hinterlassen.
Wenn ich also möchte, dass die Nachricht, die ich meinem Mann, meiner Freundin, dem Nachbarn, der Arbeitskollegin,… zukommen lasse, eine größere Chance hat Spuren zu hinterlassen, schreibe ich sie auf Papier. Eine Email geht in den vielen Nachrichten, die wir täglich bekommen, unter. Und eine Notiz in einem der vielen Messenger rutscht im Verlauf immer weiter nach oben und verschwindet schnell wieder. Eine Karte dagegen findet einen Platz bei mir, ich schaue sie mir länger und öfter an. Und wenn sie mir besonders gut gefällt hebe ich sie vielleicht sogar noch in einem Schuhkarton auf, wenn die Mini-Ausstellung vorbei ist. Dann kann ich sie mir sogar noch in ein paar Jahren angucken.
Analoges bleibt hängen
Fazit: Wenn ich lieben Menschen etwas Gutes sagen möchte, was sie vielleicht auch gerne öfter lesen sollen, verpacke ich es analog. Ich nehme mir Zeit für die wichtigen Nachrichten. Und ich überlege mir, wie die Botschaft für genau diese Person gestaltet sein müsste, damit sie Freude daran hat, sie öfter zu lesen.
Und ein kleines P.S. für die Eltern/Paten/Tanten/Onkel… unter uns: Das gilt übrigens genauso für Botschaften an „unsere“ Kinder. Richtig zu Papier gebracht und schön gestaltet werden solche Nachrichten auch gerne an die Wände im Kinderzimmer gehängt und bleiben dort vor Augen!
Also: Lasst uns Spuren hinterlassen!
