In dieser schnellen Welt kriege ich manchmal das Gefühl, dass alles nur noch an mir vorbei rennt. Alles wirbelt um mich her und ich weiß gar nicht wo genau ich hinschauen und hingehen soll. Wer kümmert sich darum, dass ich hier stehe? Wen interessiert es was ich denke und mache? Wer sorgt sich eigentlich um mich?

Eine Gesellschaft, die so reich, so produktiv und so rasant ist wie unsere kümmert sich kaum um den Einzelnen. Dann wäre sie nämlich längst nicht so erfolgreich wie sie nun mal ist. Wir haben das große Glück, dass Deutschland ein Sozialstaat ist und es eine gewisse Absicherung gibt. Aber eigentlich ist das aus wirtschaftlicher Sicht nicht wirklich sinnvoll. Und das ist tatsächlich für den Notfall, für die Härtefälle gedacht, wenn es sonst keine Absicherung gibt.

Aber was ist mit mir? Im Normalfall? Wen interessiert es, wie es mir geht? Natürlich, ich habe Kontakte, kenne viele Menschen, habe vielleicht auch eine Familie. Aber auch wenn ich gut vernetzt bin stellt sich trotzdem die Frage ob ich mich diesen Menschen gegenüber so öffnen möchte und kann, wie es Not tut.

Was bleibt dann? Es bleibt, dass ich mich selber darum kümmere. Es bleibt, dass ich für mich sorge und in mich hinein horche. Wenn die Welt um mich herum rennt dann muss ich nicht mitlaufen. Mir steht es frei mich um mich zu sorgen.

Alle um mich her verbreiten das Gefühl von Hektik und Rastlosigkeit. Alles muss immer schnell, schnell gehen. Alles muss effektiv bearbeitet und rational geplant werden. Es ist komplett darauf ausgelegt möglichst erfolgreich und gewinnbringend zu funktionieren. Die Arbeit, die Familie, die Freizeit, eigentlich alles in der kompletten Gesellschaft. Total praktisch für ganz Deutschland!

Ich bin ein Teil davon

Aber ist das schön? Für mich? Als Teil der Gesellschaft? Ich brauche als Mensch doch auch etwas anderes als nur reine Effektivität und Rationalismus um mich herum. Ich lebe doch auch aus der Schönheit der Momente heraus, aus den Ruhephasen schöpfe ich die Kraft um meiner Tätigkeit wieder mit neuem Elan nachzukommen.

Viele reden von der Work-Life-Balance, das widerstrebt mir. Es hört sich so an, als wenn Arbeiten und Leben nicht zusammen gehören und das ist einfach nicht so. Arbeiten gehört im Leben einfach mit dazu, es ist Teil davon! Was wäre ein Leben ohne Arbeit? Langweilig!

Denn alles ist Arbeit: ob der Beruf, den ich ausübe, die Hausarbeit, die Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen, die Gartenarbeit, das „Workout“ (man beachte den Namen!)… Ich könnte die Liste ewig so weiterführen. Ja, es ist alles mit einer gewissen Anstrengung verbunden. Aber diese Anstrengung ist ja auch etwas, das mir gut tut, mich erfüllt!

Es geht also weniger um eine Work-Life-Balance, sondern mehr um eine umfassende Lebens-Balance. Wie schaffe ich es bei all den Ansprüchen, die um mich herum aufpoppen, mit „höher, schneller, weiter“, ein Leben in Balance zu führen? In dem ich für mich sorge.

Ich bin in Sorge um mich, also sorge ich für mich.

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Denn ich bin für mich verantwortlich. Ich bin ein erwachsener und mündiger Mensch und darum nicht nur für vieles Anderes, sondern vor allem auch für mich verantwortlich. Ich kann nicht davon ausgehen, dass sich irgendjemand dafür zuständig fühlt, wenn ich es nicht tue. Wer sollte denn eher dafür zuständig sein als ich?

Und ja: ich verstehe, dass es schwierige Zeiten gibt, in denen ich es nicht schaffe auf mich zu achten. Genauso wie es Krankheiten und Störungen gibt, die es mir dauerhaft schwer machen mich wahr zu nehmen und für mich zu sorgen.

Dennoch kann ich aber nicht abstreiten, dass das in erster Linie eben mein Part ist, und im Regelfall ich dafür zuständig bin. Und das ist doch auch schön so. Denn wer kennt mich besser als ich?

Ich weiß welche Dinge mich anstrengen, was mir Freude macht und wann ich eine Pause brauche. Ich weiß am besten, was mir zum Aufatmen hilft und mich motiviert. Und ich weiß, wann ich etwas in meinen Gewohnheiten ändern muss, um einen neuen Schub zu kriegen.

Mach mit: Schau genau hin

Das ist das, was ich dir (und immer wieder auch mir) sagen möchte: Schau auf dich! Nimm dir die Zeit in dich hineinzuhorchen und nachzuspüren, wie es dir gerade geht. Das ist der erste Schritt um etwas zu ändern, wenn dein Leben sich nicht mehr ganz passend anfühlt. Nachspüren und genau hinschauen, wo es gerade für dich nicht so ganz passt.

Nur wenn wir das tun können wir Möglichkeiten zur Veränderung entdecken und alte Gewohnheiten nachjustieren oder ganz neue Wege gehen. Kommst du mit mir auf diese spannende Reise?